Yachttechnik-Seminare: ein MUSS

Erfahrungsbericht von Dr. Axel Uhl über technische Herausforderungen auf einem Charter-Törn 

"Hier unsere kurze Geschichte, warum auch für Charterer ein Technikseminar, z.B. die Stuis-Schraubertricks, eine wichtige, spannende Sache sein kann.

Wir waren letzte Saison mit unserer "verkleinerten" Familiencrew auf einem zweiwöchigen Törn durch die schöne Inselwelt Kroatiens unterwegs.

Nachdem sich einer unserer beiden Söhne spontan für eine sich bietende Tauchgelegenheit in Ägypten entschieden hatte, segelten wir zu dritt auf einer 43' Beneteau Oceanis. Eigentlich hatten wir ein anderes Schiff gebucht, etwas kleiner, aber ein Eigner hatte anscheinend dem Flottenbetreiber kurzfristig böse mitgespielt, sein Boot aus der Charter zurückgezogen, und so musste man uns ein alternatives, in diesem Fall etwas größeres Schiff zur Verfügung stellen.

"Eignergepflegt" hieß in diesem Fall wohl eher etwas verbastelt. Die Eektrik-Probleme bedurften regelmäßiger Aufmerksamkeit. Durch Fehlströme, die wir bis zum Ende des Törns nicht zweifelsfrei lokalisieren konnten, kam es zu einem Spannungsabfall zwischen den Bordbatterien und dem Panel von meist über einem halben Volt. Zeigte das Panel also z.B. nur noch 11,9V und ging in die Notabschaltung von Verbrauchern wegen Unterspannung, so maß man an den Polklemmen der Batterien immer noch 12,5V und mehr. So reduzierte sich also die Sorge auf den sich abschaltenden Kühlschrank und das somit warme Bier, aber wenigstens waren die Batterien nicht in Gefahr, den Tod durch Unterspannung zu sterben. Hilfreich, wenn man sich hier also zumindest

den Umgang mit dem Multimeter zur Messung von Spannungen an den verschiedenen Messpunkten zutraut (und gut, wenn auch nicht ohne Ironie, wenn der Eigner Elektriker ist und infolgedessen ein ordentliches Multimeter an Bord ist, auch wenn die Verkabelung offenbar Mängel hat...).

 

Auf unserer Route besuchten wir unter anderem die wunderschöne Krivica-Bucht, segelten nach Rab und schauten uns, das Schiff sicher gegenüber der Skradin-Marina an der Boje liegend, die wunderschönen Krka-Fälle an. Nachdem wir einen ganzen Tag in dieser herrlichen Gegend verbracht und auch noch die Bootstour die Krka hinauf zum Roski Slap unternommen hatten, segelten wir abends noch zum netten Ankerplatz vor Raslina, im NW der Öfnung der Krka zu einem See, bevor man weiter flussabwärts dann wieder nach Sibenik gelangt.

 

Der Abend vor Anker begann damit, dass ich mit meinem Sohn per Dingi nach Raslina übersetzte, um dort ein paar schöne Bilder im Abendlicht

aufzunehmen und uns ein wenig die Beine zu vertreten. Als wir gerade dabei waren, uns nach einer möglichen netten Konoba für das gemeinsame

Abendessen umzuschauen, kam der Anruf von meiner Frau: Wasser im Schiff, Bilgenpumpe geht schon nicht mehr aus, zig Liter, Tendenz steigend. Was tun?

 

Jetzt erst mal das Dingi klarzumachen, zurück zur Yacht zu paddeln und solange das Wasser laufen zu lassen, erschien mir nicht wie der richtige

Ansatz.

 

Rückblick... als Späteinsteiger ins Segelgeschäft haben meine Frau und ich uns vor etlichen Jahren durch die Führerschein- und Funkprüfungen gearbeitet, um selbstbestimmt unsere kleinen Auszeiten auf dem Wasser genießen zu können. Bei den ersten gemeinsamen Törns hat sich dann immer wieder herausgestellt, dass praktische Erfahrung durch nichts zu ersetzen ist. Wir haben dann verschiedene weiterführende Ausbildungsprogramme in Anspruch genommen. Dazu gehörten ein Schwerwettertraining, das meine Frau absolviert hat, ein gemeinsames Hafenmanövertraining bei Starkwind, mein Skippertraining und das Schraubertricks-Seminar bei Wolfgang Stuis, mein Training fürs Überleben auf See mit ISAF/World Sailing Zertifikat, ein gmeinsamer Langstrecken-Kojencharter-Törn sowie ein gemeinsames Motorkunde-Seminar bei Stuis Törns.

 

Man liest und lernt viel auf dem Trockenen, aber jetzt war es ja nunmal nass... Erste Frage: ist das Wasser salzig oder süß? Ah, salzig. Mist. Also Eintrag von außen, der das Boot wirklich schwerer macht. "Schau bitte mal in die Motorbilge" sage ich. Rückmeldung: "Da sprudelt es am Kühlwasser-Seeventil." Also logisch: "Mach das mal zu." Und zurück: "Ist zu. Hat aufgehört zu sprudeln. Jetzt haben wir wohl etwas Zeit..."

 

Also paddelten wir erst mal in Ruhe zurück zum Schiff, um dann das Problem zu dritt in Augenschein zu nehmen. Der Kühlwasserschlauch, der leider etwas knapp und somit auf Zug verlegt war, hatte sich am etwas betagten Seeventil durchgescheuert. Ein Riss, vielleicht zwei Zentimeter lang, hatte sich im festen Schlauchkunststoff gebildet, durch den das Wasser bei offenem Seeventil reichlich eindringen konnte.

 

Keine Kühlung, kein Motor; schlecht Anker auf nur auf Batterie, und die nächsten Tage nur noch Anlegen/Ablegen unter Segeln? Mit 43 Fuß? Kann man versuchen, muss man aber nicht. Abbergen lassen? Törn beenden? Alles keine schönen Optionen. Wenn man sich nur traut, geht es meistens weiter. Die verschiedenen Ausbildungen haben uns hier den Schrecken vor Schraubenzieher und Säge genommen.

 

Also haben wir als nächstes den sowieso schon knappen Kühlwasserschlauch um gerade soviel mit einer Eisensäge, die sich zum Glück im Bordwerkzeug

befand, gekürzt, dass der Riss entfernt werden konnte. Den verbleibenden Schlauch konnten wir mit den Schlauchschellen wieder auf dem leicht

maroden Seeventil sichern. Wir haben dann den Bordduchlass wieder geöffnet, und bei wieder gestartetem Motor hat sich gezeigt, dass die

Notreparatur funktioniert hat. Es gab keinen weiteren Wassereintritt. So konnten wir die letzten Tage unseres Törns noch ausgiebig genießen.

 

Ich vermute, hätten wir uns nicht über die Jahre immer mal wieder von Profis zu verschiedenen Themen rund um die Yacht-Technik aufschlauen

lassen, dann hätten wir in der hier beschrieben Situation vielleicht die Notbremse gezogen und den Törn beendet. Wenn man aber mal unter

kompetenter Anleitung Saildrives und Winschen zerlegt und wieder zusammengesetzt oder eine Bordtoilette auseinandergenommen und mit

frischen Ersatzteilen wieder assembliert hat, wie man es z.B. im Stuis Technikseminar macht, oder wenn man sich in einem Motorkundeseminar mal

die Geheimnisse des Schiffsdiesels hat näherbringen lassen, um dann eigenhändig das Kraftstoffsystem zu entlüften oder mal den Keilriemen zu

wechseln, dann ist zumindest bei mir die Hemmschwelle beim selbstständigen Griff zum Schraubenzieher oder zur Säge deutlich abgesenkt, und das kann, wie in unserem Fall, gerne mal den Törn, oder vielleicht auf Langfahrt auch noch mehr retten."

 

Viele Grüße,

-- Axel

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