Workshop Yachttechnik

Kurzer Rückblick auf das Yachttechnik-Seminar letzte Woche: Kraftstofffilter gewechselt und nun Luft im System? Schaltzug verklemmt und das Boot fährt aufs Schleusentor zu? Toilette verstopft? Sumloggeber verdreckt? Stopfbuchse wechseln und entlüften? Feder der Sperrklinke in der Winsch gebrochen? Steuerseile spannen? Angelschnur durch den Simmerring vom Saildrive eingezogen? Diese und viele weitere Problembereiche auf einer Segelyacht haben wir anhand vieler praktischer Übungen und zahlreicher illustrativer Anekdoten detailliert behandelt.

...wo gibt's denn sowas? Vermutlich nur hier.

Das Beste daran: ganz viel Praxis, ganz viel anfassen und selber schrauben, verschiedene technische Ausführungen auf unterschiedlichen Schiffen kennenlernen. Absolut empfehlenswert! Weitere Termine T12a: 17.-20./21.6.2017 und T 12b: 21.06.-24.06.2017. 

Das war es nun also. Inseriert als "T 0: 29.03.-01.04." und in verschiedenen Rundmails angekündigt. Das Technikseminar auf der Tiger Rag, auf der ich vor etlichen Jahren mal meine praktische SKS-Prüfung absolviert hatte. Die Themenauswahl klang ziemlich spannend. Von abgefallenen Propellern und verstopften Toiletten war die Rede, von defekten Anlassern und kaputten Furlern. Das wollte ich mir unbedingt mal ansehen.

Vier Leute und der Reporter von der Yacht:

Tag 1: Frühstück, Besprechung des Drei-Tage-Programms bei bestem Wetter im Cockpit der Tiger. Wolfgang stellt uns die lange Liste möglicher Schulungspunkte vor, und wir können uns zu Schwerpunkten und Interessen abstimmen. Schon die Erläuterungen an dieser Stelle lassen erahnen, dass wir in diesen Tagen wohl ziemlich viel lernen werden, und zwar authentisch, aus reicher Erfahrung, mit spannenden Anekdoten unterlegt.

Überhaupt: Wolfgang Stuis. Für die, die ihn noch nicht kennen, muß das hier kurz erklärt werden. Als Inhaber von Stuis Törns seit Dekaden mit mehreren eigenen Segelyachten für Kojencharter-Gäste auf den Weltmeeren unterwegs, hat er vermutlich jeden Schaden, der auf diesen komplexen technischen Systemen auftreten kann, gesehen (meinst nicht nur einmal) und in den Griff bekommen müssen. Seine angenehme, ausgeglichene, ruhige und verständnisvolle Art schaffen eine prima Lernatmosphäre, was man übrigens auch bei seinen Skippertrainings genießen kann. Das hektischste, das ich bisher bei ihm erlebt habe, war sein sehr ruhig gesprochener Kommentar zu einem von einem Kursteilnehmer mit ca. 5kn rückwärts in die Box schießend vorgetragenen Anlegeversuch mit seinem heiß geliebten Schiff: "Jetzt den Vorwärtsgang einlegen... (noch 1,5m bis zur Betonpier... und ganz ruhig weiter...) schnell".

Und los geht's. Als erstes "Lustiges Teileraten", besser als "Dalli Klick" (wer erinnert sich nicht...?). Was ist das?

Oder das?
.

Und ist das hier ein Mini-Anker?

Mal die Schaltkulisse in die Hand nehmen und schauen, wie so ein Teil eigentlich aufgebaut ist und funktioniert und wie und wo die beiden Züge montiert werden.

Lehrerwechsel. Elektrik und Elektronik ist Huberts Sache. Das lockert auf und setzt thematische Schwerpunkte. Hubert ist gerade mit dem Trupp Freiwilliger zur Frühjahrsüberholung der Yachten in der Marina Veruda und kommt uns so gerade recht. Ein tolles Team von Freiwilligen vor Ort. Dass sie nach vielen Jahren immer wieder mit Spaß an den Schiffen arbeiten, spricht Bände. Hubert, den ich bis dahin noch nicht kannte, ging ja bereits bei unserem Herbsttörn auf der Merlot zu den Kapverden sein toller Ruf voraus. Er ist ein Original der besten Sorte. Strukturiert, humorvoll, sehr erfahren, tolle Tricks, sensationelles Improvisationstalent. Ein echtes Vorbild, dem ich sehr gerne an den Lippen hänge.

Und so sehen wir, wie Hubert einen auf dem Tisch liegenden Anlasser mit einer im Cockpit stehenden Batterie anwirft. Funkenflug, Magnetschalter drückt das Ritzel 'raus, wildes Drehmoment reißt ihm das Teil fast aus der Hand. Ok, wir haben verstanden, da ist Zug drauf. Nach der eindrucksvollen Demo dann die Erklärung der Funktionsweise und die Hinweise zum Beheben und Umgehen von Problemen. Anschauungsunterricht am verbauten Anlasser in der Tiger Rag, und dann der Spaß: Anlassen des Diesels durch Überbrücken am Anlasser mit dem Schraubenzieher. Cool.

Was tun, wenn die Ankerkette auf der Nuss rutscht? Wir schauen uns so eine Nuss mal genauer an. Abriebstellen verraten, ob die Kette an der Verschleißgrenze angekommen ist. Also üben wir das Tauschen der Nuss auf der Ankerwinsch. Auch gut zu wissen: der Motor der Ankerwinsch ist ein wildes Teil, das man unterwegs wohl eher nicht alleine reparieren kann. Dafuer kann der Kartenzirkel auch gerne mal zur behelfsmäßigen Überbrückung an der Buchse dienen, sollte einmal die Fernbedienung streiken.

Als nächstes muss eine Schotwinsch dran glauben. Von oben wird sie schrittweise in ihre Einzelteile zerlegt, bis wir bei den Sperrklinken und ihren zierlichen Federn angelangt sind. Auch die müssen raus, jeder schaut sie sich mal in der Hand ganz genau an. Dann alles wieder von unten zusammenbauen, Federn rein, Sperrklinken reinfummeln, Achsen und Lager einsetzen, Glocke, Schotabstreifer und Abschlussdeckel montieren, fertig. Gut, bei 3m Welle und Nacht ist das vermutlich noch mal eine andere Geschichte, aber für mich war es das erste Mal, dass ich eine Winsch von innen gesehen und ihre Einzelteile in der Hand gehabt habe. Großartig! Der erste Tag verging wie im Flug; gemeinsames Abendessen, noch einen Absacker an Bord, Nachtruhe.

Tag 2: Die Kreole steht an Land, so dass wir ihr mal von unten zu Leibe rücken und alles genau in Augenschein nehmen können. Typische Probleme bei in die Welle oder ins Bugstrahlruder gezogenen Leinen werden diskutiert. Wolfgang erläutert typische Schäden an Ruderblättern und wie man sich notfalls behelfen kann. Anschließend schauen uns innen ganz genau die Installation der Steuerseile an, wie sie gespannt werden, wie sie mit den Steuerketten verbunden werden und auch hier wieder, wie man sich bei Bruch behelfen kann.

Schiffswechsel. Die Inspiration (Bavaria 46) wartet auf ihrem Landstellplatz auf uns. Hier schauen wir uns jetzt die Montage der unteren Welle des Saildrives mit den Simmerringen und dem Prop ganz genau an. Als nächstes das Bugstrahlruder mit seinem Getriebe, dann die Stopfbuchse... na gut, die hat auf der Inspiration mit Saildrive nichts verloren, aber wenn man sie mal in der Hand hält, versteht man schon besser, wie die Wasserschmierung funktioniert und warum man die nach Montage entlüften muss.

Wir bauen als nächstes den Sumloggeber aus und erhalten wichtige Tips, wie man den wieder gängig machen kann, denn der klemmt ja leider nur zu oft. Der Rest des Tages ist voll mit nützlichen Details zu Trenndiode, Kühlwasserfilter, Impellerwechsel, Einspritzung entlüften. Praktisch: an den Motor der Inspiration kommt man wirklich prima von allen Seiten heran. Das hilft beim Erklären und Verstehen. Der Abend klingt aus beim netten Abendessen in Rovinj. Zeit, die vielen spannenden Geschichten des Tages zu verdauen.

Tag 3: Die Toilette wird zerlegt. Neue Einzelteile werden der Reihe nach inspiziert, und jeder darf mal der Reihe nach alles wieder zusammensetzen. Jetzt wissen wir, wo es typischerweise stopft und wie man sich darum kümmert. Dann gibt es eine Einweisung ins Messen von Spannungen und Strömen sowie wertvolle Hinweise, welche Probleme man üblicherweise an Bord mit elektrischen Leitungen haben kann und wie man sie löst. Bei Cappuccino und Kuchen in der Sonne geniessen wir die Zusammenfassung der drei Tage. Zum Abschluss gehen wir alle zusammen nochmal nett essen.

Die Inhalte waren toll. Die Zeit verging zu schnell. Es hätte fast noch einen Tag länger dauern können. An spannenden Themen hätte es nicht gemangelt. Das Angebot ist einzigartig. Dass man überall anfassen und Schrauben darf, ist großartig. Einen Motor mit dem Schraubenzieher anlassen, den Diesel mit offenem Impellerdeckel mal kurz anlassen, den Diesel aus dem Entlüftungsventil spritzen lassen, eine Winsch zerlegen, eine Toiletteninstallation aus Neuteilen zusammensetzen. Sagenhaft. Und dazu die ungezählten Tips und Tricks aus erster Hand. Ich bin sicher, dass dieses Angebot der Renner wird, spätestens, wenn die Yacht darüber schreibt. Wer sich irgendwie die drei Tage Urlaub leisten kann, der sollte diesen Workshop unbedingt wahrnehmen. Ein Augenöffner!

Wir sind montags bis freitags von 9 - 17 Uhr für Sie da.
Telefon +49 (0)74 33 - 99 85 868
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